Mobility

Eine für alle? Alle für alle!

Die aktuelle Debatte um die regulatorische Festlegung der technischen Ausstattung von Ladesäulen könnte die nationale Ladesäulenverordnung noch weiter hinauszögern. Und sie zeigt einen strategisch falschen Ansatz.

Immer mehr Services sind das Ergebnis von Kooperationen und Vernetzungen verschiedener Marktteilnehmer.
Dass dabei der Mehrwert für den Nutzer nicht immer im Vordergrund steht, sondern verschiedene Eigeninteressen den Nutzen eher begrenzen können, zeigt ein aktueller Artikel in der Welt.
Sollen Ladesäulen für E-Fahrzeuge Karten-Lesegeräte für die Girocard bieten oder nicht? Die Energiewirtschaft möchte schon aus Kostengründen darauf verzichten. Die Banken indes wollen sehr gerne der Girocard auch beim Laden eine wichtige Rolle einräumen und fordern entsprechend ausgestattete Ladesäulen.
Warum dürfen sie das fordern? Weil es um die so genannte Ladesäulenverordnung geht, wo sich die entscheidenden Akteure noch immer in der Phase der Meinungsbildung befinden und somit potentiell empfänglich für verschiedenste Marktinteressen sind.

Im Vergleich zum kontaktlosen Zahlen oder anderen browserbasierten Zahlmethoden kommt die Zahlung per Girocard nicht wirklich fortschrittlich daher. Wahrscheinlich wird ihre Bedeutung in diesem Bereich eh nur von homöopathischer Größenordnung sein. Die ohnehin verspätete Ladesäulenverordnung könnte nun noch länger auf sich warten lassen. Das ist eher ungünstig angesichts der aktuellen Ladesäuleninfrastrukur.



Der Fokus der Legislative scheint nicht grundsätzlich daneben zu liegen: „Die Bundesregierung schätzt die Nutzerfreundlichkeit der aktuell vorhandenen Ladeinfrastruktur insgesamt noch als ausbaufähig ein“, zitiert die Welt eine Stellungnahme der Regierung dazu,”entscheidend sei unter anderem ‘ein einheitliches, einfaches Bezahlsystem'”. Aber ob letzteres zwangsläufig dazu beiträgt, ist die Frage.
Aus unserer Sicht sollte Flexibilität, Effizienz und technologische Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Über Schnittstellen verbundene Systeme ermöglichen mehr Tempo und bessere Lösungen.

Dass sich nicht immer die besten Systeme am Markt durchsetzen, hat die Geschichte ausreichend bewiesen. Für den Nutzer hat eine einzige einheitliche Lösung nur möglicherweise Vorteile. Sie kann für alle gleich gut sein. Oder eben gleich schlecht. Während bei Hardware wie bspw. Ladesteckern die Vorteile einer einheitlichen Lösung dennoch überwiegen, mutet die gewünschte Vereinheitlichung im Payment wie ein Relikt der Vergangenheit an.
Vor dem Hintergrund der Möglichkeiten digitaler Transaktionen mit entsprechend leistungsfähigen Schnittstellen (wir wissen, wovon wir reden) sowie sich abzeichnender Use Cases beim Laden von E-Autos, kommt diese Debatte daher, wie die Diskussion der Frage, ob man in E-Autos unbedingt noch CD-Player einbauen sollte.

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